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Der "Heilige Vogt" von Sinzig
     
Ein besonderes Kuriosum im Ahrtal
     
       
Lange Zeit wusste man nichts über die Herkunft jenes Mannes, dessen mumifizierter Leichnam vermutlich im Jahr 1700 gefunden wurde. Ein heftiges Unwetter hatte an der südöstlichen Seite der Pfarrkirche St. Peter an der Maria-Magdalena-Kapelle eine Gruft freigespült und den Toten seiner Ruhe beraubt.

Unwissen lässt natürlich Raum für allerlei Interpretation und Spekulation und die ungewöhnliche Tatsache, dass dieser Tote nicht einfach verweste, wie es sich eigentlich gehört, sondern sich in mumifizierter Form der Nachwelt sozusagen aufdrängte, faszinierte und beflügelte manche Phantasie.

Bis in römische Zeiten zurück reichte die Vorstellungskraft, dass jener Mann Hausvogt und Schlosskaplan der Kaiserin Helena, der Mutter Constantin des Großen gewesen sein solle, die zeitweilig im römischen Sinzig residierte.

Oder das es sich um jenen frommen Klausner aus Altenahr handeln müsse, der unterhalb des Teufelslochs gelebt habe. Er muss einsam gestorben sein und der unbeerdigter Leichnam wurde vom gnädigen Hochwasser der Ahr mitgeführt und am Fuße der Pfarrkirche St. Peter abgelegt.

Jedenfalls wussten sich die Sinziger keinen rechten Reim darauf machen, die Angst, dass es sich um das "Pestmännchen" handelte und die Mumie Unglück über den Ort brächte, ergriff sie. Sie wollten den Leichnam wieder der Ahr übergeben, jedoch auf dem Weg zum Ufer wurde dieser auf einmal so schwer, dass in mehrere Männer nicht mehr tragen konnten, soweit die Sage. Also musste es sich um einen Heiligen handeln und die Mumie, dann wieder leicht wie eine Feder, wurde in einem feierlichen Umzug durch die Stadt getragen und in St. Peter aufgebahrt.

Es enwickelte sich eine volkstümliche Heiligenverehrung, der die Amtskirche aber nicht folgte. Der "Heilige Vogt" wurde dann noch desöfteren bei feierlichen Prozessionen aber vermutlich auch während des Karnevals durch den Ort getragen. Im Laufe des 18. Jahrhunderts verflachte aber die Verehrung und die Mumie wurde mehr als Kuriosum betrachtet.

1794 transportierten französische Revolutionstruppen den Leichnam zu wissenschaftlichen Zwecken nach Paris. Von dort kehrte er nach preussischer Intervention 1815 wieder nach Sinzig zurück.

Mittlerweile gibt es neue Erkenntnisse, eine 1980 durchgeführte C14-Datierung an der Universität Bonn gibt für das Todesdatum 1670 mit einer Varianz von ± 40 Jahren an, also der Zeitraum von 1630 - 1710. Nach den Quellen des Kirchenarchivs handelt es sich sehr wahrscheinlich um den vom Jülicher Herzog eingesetzten Landvogt Johannes Wilhelm von Holbach, dem die besondere Ehre zuteil wurde, in dieser, eigentlich für die Priester gedachten Gruft, beigesetzt zu werden.

Quellen:
• Pauly, Stephan: Der wunderlichste Heilige im Rheinland, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1996, S. 84ff.
• N.N.: Der "heilige" Vogt von Sinzig, in: "Die Gartenlaube", Leipzig 1881, S. 248ff.

 
   



 

 






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